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„Die Spielebranche ist irrational“

Der Hamburger Publisher und Entwickler Daedalic Entertainment wurde 2007 gegründet und belebte seitdem mit Titeln wie Edna bricht aus oder der Deponia-Reihe das Adventure-Genre wieder. Heute arbeiten über 140 Mitarbeiter für das weltweit agierende Unternehmen. Geschäftsführer und Firmengründer Carsten Fichtelmann und Creative Director Jan „Poki“ Müller-Michaelis erklären im IGM-Interview die Unwägbarkeiten der Spiele-branche – und wie sie diese Probleme zukünftig meistern wollen.

Eine Möglichkeit, wie Publisher mit den aktuellen Gegebenheiten umgehen könnten, demonstrierten die Hamburger bei der Veröffentlichung des im Rahmen der „Daedalic Days“ am 25. Februar 2016 überraschend angekündigten Adventures Deponia Doomsday. Die Deponia-Reihe verkaufte sich laut Daedalic 2,2 Millionen Mal und sollte eigentlich mit dem dritten Teil Goodbye Deponia ein Ende finden. Doch die Fans der Adventure-Reihe forderten lautstark ein versöhnlicheres Ende und erhielten es bereits am 1. März 2016 mit Deponia Doomsday. Das Spiel wurde parallel auf Steam für 29,90 Euro und für 9,90 Euro als Cover-Version der Platin-Edition der COMPUTER BILD SPIELE 4/2016 verkauft. Die überraschende Ankündigung, der kurzfristige Release und der alternative Marketing-Weg zeigten Wirkung: Deponia Doomsday führte kurzfristig die Steam-Charts an und blieb für zwei Tage in den Top 10 der Download-Plattform. Das Adventure legte damit den erfolgreichsten Start der Firmengeschichte hin.

IGM: Herr Fichtelmann, widersprach der ungewöhnliche Deponia-Release nicht der Vorbesteller-Mentalität, die sich in den vergangenen Jahren breitgemacht hat? Ein Spiel wird Jahre vor Release angekündigt, später folgen häppchenweise Infos und DLC-Ankündigungen…

Fichtelmann: Vorbesteller sind ja nicht gleich Revenue-Stream. Goodbye Deponia gab es als Preorder auf Steam und lief da ordentlich. Allerdings macht gerade bei der digitalen Distribution die Vorbestellung wenig Sinn. Schließlich sind die Spiele ja unbegrenzt verfügbar. Vorbesteller- und Erstwochenrabatte führen dazu, dass wir uns überlegen müssen, wie wir niemanden benachteiligen. Vielleicht sind nämlich dann die späteren Käufer des Spiels beleidigt, weil Vorbesteller weniger bezahlt haben. Gerade für die Steam-Charts ist es aber wichtig, dass am ersten Verkaufstag die Zahlen stimmen. Erst dann werden die Verkäufe in die Charts-Kalkulation eingerechnet. Dadurch verteilt es sich etwas. Bei Goodbye Deponia war das anders. Da waren wir in den GfK-Charts in der ersten Woche auf Platz 1. Primär, weil wir extrem viele Amazon-Vorbesteller hatten. In der ersten Woche haben knapp 3.500 Verkäufe im GfK-Panel für den ersten Platz gereicht. Davon waren aber allein knapp 2.500 Exemplare bei Amazon vorbestellt, die dann ausgeliefert und gezählt wurden.


Das vollständige Interview wurde bei IGM Online  am 15. März 2016 veröffentlicht.

 

 

 

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